123m Schweizer Wahnsinn

Der Grund für meinen Besuch bei Thomas in der Schweiz war eine gut 110m lange, sehr ausgesetzte alpine Highline, die wir uns gemeinsam mit Peter zum Ziel gesetzt hatten. Sieben weitere Schweizer sollten uns bei diesem Projekt begleiten, doch dann kam es doch etwas anders.

Am Sonntag Abend bei Thomas angekommen, war erst einmal einiges los. Es lief gerade das WM Finalspiel Deutschland gegen Argentinien und der Sieg Deutschlands musste natürlich gefeiert werden. Doch allzu lange konnten wir uns damit leider nicht  aufhalten, es musste ja schließlich noch einiges für die nächsten Tage besprochen werden. Am Montag musste das Frühstück erst mal eine Weile warten. Raus aus dem Bett, rein in den Gurt und ab auf die Line. Die 113m lange Water-Midline, die direkt auf dem Grundstück beginnt war einfach zu verlockend und kurze Zeit später gelang mir die Begehung der Line. Nach dem Essen ging es in die durchaus sehenswerte Berner Innenstadt um noch die letzten Besorgungen für die bevorstehenden zwei Tage zu machen. Anschließend drehte sich alles nur noch um ein Thema: Gear-Schlacht (wer einmal in Thomas und Bernhards Keller war, weiß wovon ich rede). Schließlich war das Material gepackt und die zwei Autos zum Bersten voll und abfahrbereit für den nächsten Morgen, als die ersten Zweifel aufkamen. Der Wetterbericht meldete nicht mehr, wie zuvor zwei Tage Sonnenschein, sondern sagte möglichen Regen und geschlossene Wolkendecke voraus, was keinerlei Sicht bedeuten würde. Wir beschlossen, bis zum nächsten Morgen abzuwarten und dann zu entscheiden, ob wir nicht doch ein Alternativprojekt in Angriff nehmen würden.

Und so kam es dann auch. Der Wetterbericht blieb schlecht und wir beschlossen nach Martiny zu fahren, wo eine 170m lange Brücke die 190m tiefe Trient-Schlucht überspannt und eine ideale Grundlage für Highlines in allen erdenklichen Längen bildet. Während die anderen sofort mit dem Aufbauen einer 30m und einer 51m langen Line begonnen, machten Peter, Hugo und ich uns auf den Weg einen Anker für eine 123m lange Line zu bohren und gleichzeitig die nötigen Vorbereitungen für die Verbindung zu treffen. Nun musste nur noch das 124m lange Band an beiden Seiten Fixiert werden und schon konnte es losgehen. Dass mich diese Line so viele Nerven kosten würde konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Die ersten Gehversuche endeten zwar schon nach wenigen Schritten, doch schon eine halbe Stunde später gelang es mir, die Line mit wenigen Catches zu überqueren, was mich für die nächsten Versuche sehr zuversichtlich stimmte. Doch leider wehrte sie sich energisch gegen eine erfolgreiche Begehung. Von den folgenden acht Crossings endeten mehrere nur gut 20m vor dem Ende und einmal fiel ich sogar keine zehn Meter vom Ziel entfernt. Da ich keine Kraft mehr für einen weiteren sinnvollen Versuch hatte, beendete ich damit meinen Slacklinetag und hoffte darauf, dass der nächste Tag vielleicht mehr Erfolg bringen würde.

Nach erholsamer Nacht und gediegenem Frühstück ging es auch schon weiter. Doch auch die nächsten zwei Versuche endeten nicht undweit vom Ziel entfernt und so beschloss ich, mich erst einmal den Enden zu widmen, bevor ich einen weiteren Versuch wagte. Eine knappe Stunde später war ich mir sicher, dass der Schluss nun sitzten würde und gönnte mir eine kurze Pause vor dem nächsten vielversprechenden Versuch. Nachdem Start und Mitte gut gemeistert waren, sah ich das lang ersehnte Ziel immer näher kommen. Nur noch ein paar Meter vom Ziel entfernt war ich mir meiner Sache sicher, verlor jedoch keine sechs Schritte vom Rand entfernt die Kontrolle und musste erneut absteigen. Etwas wütend über meinen späten Patzer und warscheinlich zu trotzig slidete ich sofort zurück zur anderen Seite und startete erneut. Es war nicht leicht mich zu beruhigen und nur auf das Laufen zu konzentrieren, weshalb ich schon etwas frühzeitig in der Mitte abgeworfen wurde und mich fürs erste in die Hängematte zurückzog um Peter das Feld zu überlassen. Dieser konnte sich im Vergleich zum Vortag stark verbessern und erkämpfte sich förmlich sein erstes Crossing. Nach einem kurzen Nickerchen band ich mich erneut in die Leash ein und begann zu laufen. Es war kein sonderlich sauberer Lauf und ich brauchte erst Zeit, um wieder voll wach zu sein, schaffte es aber die Mitte gut zu überstehen und kam wieder auf das Ende zu. Auf den letzten Metern war die Anspannung groß. Hier war ich zuvor gefallen, doch diesmal lief alles glatt und ich schaffte es bis zum Schluss. Überglücklich und mit breitem Grinsen verließ ich nun die Line, die ich in Anlehnung an Jerrys Weltrekordline (beide hatten ein Gewicht von gut 18kg) „12th crossing“ nannte. Nachdem Peter, der sich erneut deutlich verbessern konnte, mit seiner ersten schweizer Highlinebegehung aber noch auf sich warten lässt, seinen letzten Versuch beendet hatte, bauten wir alles ab und machten uns auf den Weg  zu Tom.

Vielen Dank an alle, die dabei waren und geholfen haben und vor allem an Tom für die Gastfreundschaft, die Organisation und das sau schwere Backup, das für reichlich Spannung gesorgt hat :P.

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Kampenwand

Kampenwand5„Wenn i mit meiner Wampen kannt, dann gang i auf die Kampenwand“ (zu deutsch: Wenn mich mein überschüssiges Bauchfett nicht daran hinderte, erklömme ich die Kampenwand) lautet ein altes bayrisches Sprichwort, das uns zu der Line führt, die wir -Flo und ich- uns am Freitag vorgenommen hatten. Flo hatte die 17m lange Line „Bee swarm“ wegen ihrer schönen Aussicht auf den Chiemsee schon länger ins Auge gefasst und auch mir kamen die 17m aufgrund eines vom Physio erteilten Slackline-Verbots gerade recht. Mit den nötigen Informationen, die uns Bernd am Vorabend noch mit auf den Weg gegeben hatte, und jeder Menge Gepäck machten wir uns auf den knapp dreistündigen Weg. Nach einem kurzen BesuchKampenwand4 des Gipfelkreuzes begannen wir mit dem recht einfachen Aufbau dieser Line, die schon bald darauf das Landschaftsbild bereicherte. Ob mein im Exposure getanztes „Macarena“ eine ebenso große Bereicherung für die zahlreichen Kampenwand-Touristen war? Die fehlenden Zugaberufe und leeren Plätze auf den Rängen lassen auf das Ausmaß meines Erfolges schließen. Nachdem sich Flo noch um die heiß ersehnte Zugabe kümmerte, verließen wir auch schon die Bühne und machten uns auf den Weg ins Tal, wo wir im übrigen noch einen genialen Spot entdeckten, den ich diesen Sommer hoffentlich noch beslacken werde.

 
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